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Wirtschaft

08.11.2017 - Artikel

Stand: September 2018

Wirtschaftspolitik

Uruguay, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine der reichsten Volkswirtschaften Lateinamerikas, ist nach einer langen Phase wirtschaftlicher Schwäche heute wieder ein aufstrebendes Schwellenland, mit einer in Lateinamerika oft als beispielhaft angesehenen Mischung aus marktwirtschaftlichen und sozialen Elementen. Die Wirtschaft wuchs 2017 solide um 3,1%. Für die nächsten Jahre sagt der IWF ein ähnlich starkes Wirtschaftswachstum voraus. Das Haushaltsdefizit 2017 ist mit 3,3% des BIPs immer noch relativ hoch, sodass der fiskalische Spielraum begrenzt bleibt. Das von der Regierung und dem IWF angestrebte Ziel eines Haushaltsdefizits von 2,5 % wird  bis zum Ende des Jahres mit voraussichtlich 3,5 % weit verfehlt.  Herausforderungen bilden die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die Anpassung an die sich verändernden Rahmenbedingungen in den großen Abnehmerländern und die Turbulenzen in den Nachbarländern Argentinien und Brasilien.

Die Regierung Vázquez (seit März 2015 im Amt) verfolgt einen Kurs moderater wirtschaftlicher Konsolidierung, sieht sich dabei aber starkem Druck der Gewerkschaften sowie des linken Flügels des Regierungsbündnisses „Frente Amplio“ (Breite Front) ausgesetzt. Diese fordern vor allem eine Erhöhung der Bildungsausgaben auf 6% des Bruttosozialprodukts, was angesichts des aktuellen Haushaltsdefizits von 3,3% schwierig erscheint. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug laut German Trade and Invest (GTAI) 2017 etwa 17.252 USD; die Zahl der unter der Armutsgrenze Lebenden sank nach Angaben des nationalen Statistikinstituts Uruguays in den vergangenen Jahren von 34% (2006) auf 9,4% (2016). Der IWF geht für 2017 von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 52,4 auf 58,6 Mrd. USD aus. Die Arbeitslosigkeit stabilisierte sich laut nationalem Statistikinstitut 2017 bei ca. 7,9%. Seit Mitte 2017 war eine deutliche Abnahme der Inflationsrate messbar, die Ende 2017 bei 6,5% lag. Damit erreichte die Inflationsrate erstmals in sieben Jahren den von der Zentralbank vorgesehenen Rahmen.

Die Internationalen Rating Agenturen stufen Uruguay wie folgt ein: Moody’s: Baa2 (stabil), S&P: BBB und Fitch: BBB-(stabil).

Die relative Stärke des Peso (im Vergleich zu den Währungen Brasiliens und Argentiniens) sowie hohe Lohnzuwächse in den letzten Jahren, die zu einer Reduzierung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern der Region führen, und die Inflationsrate von neuerlich wieder 7% stellen die uruguayische Wirtschaftspolitik vor große Herausforderungen.

Volkswirtschaftliche Struktur

Uruguay definiert sich als regionales Logistik- und Servicezentrum (nicht nur im Hafenbereich). Das 2011 in Kraft getretene Gesetz über öffentlich-private Partnerschaften (PPP) zum Bau und Betrieb von Infrastrukturanlagen soll helfen, die benötigten Häfen, Flughäfen und Transportwege bereitzustellen. Die Energieversorgung wird im Elektrobereich fast ausschließlich aus erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Biomasse) sichergestellt. Wichtigstes geplantes Industrieprojekt ist der Bau einer weiteren Zellulosefabrik durch das finnische Unternehmen UPM, das mit einem Investitionsvolumen von ca. 3 Mrd. USD die größte ausländische Direktinvestition in der Geschichte Uruguays wäre. Allerdings muss hierfür die Eisenbahnverbindung zum Hafen Montevideo noch ausgebaut werden, deren Kosten auf ca. 1. Mrd. US $ geschätzt werden.  

Die uruguayische Wirtschaft gliedert sich nach Angaben der Staatlichen Investitionsgesellschaft Uruguay XXI (2017) wie folgt (prozentualer Anteil am BIP): Produzierendes Gewerbe 13%; Handel und Dienstleistungen 14%; Baugewerbe 10%; Transport und Kommunikation 6%; Land- und Forstwirtschaft 6%; Energiewirtschaft 3%; andere 48%. Hervorzuheben sind daneben der Hafen von Montevideo und die zwölf Freihandelszonen. Uruguay positioniert sich mit der Werbekampagne „Uruguay natural“ im internationalen Tourismusgeschäft (mehr als 3 Mio. Touristen in 2017). Infolge der Krise in Argentinien wird ein starker Rückgang der Touristenzahlen befürchtet. 

Der öffentliche Sektor hat in Uruguay eine lange Tradition und nach wie vor einen hohen Anteil. Lediglich im Telekommunikationsbereich (Mobiltelefonie, Internet) und bei der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen sind private Anbieter zugelassen. Die wichtigsten Versorgungsunternehmen für Strom, Wasser, Mineralöl und Telekommunikation stehen im staatlichen Eigentum.

Außenhandel

Uruguay ist aufgrund seiner exportorientierten Produktionsstruktur und seines Mangels an konventionellen Energieträgern (eine erste Öl-Offshore-Probebohrung verlief im August 2016 erfolglos) in die globale Wirtschaft eingebettet und setzt sich, auch im Rahmen des Gemeinsamen Markts des Südens (MERCOSUR), für mehr Außenhandelsfreiheit ein. Der in den vergangenen Jahren praktizierte Protektionismus der Nachbarländer war für Uruguay beim Export von Industrieprodukten deutlich spürbar. Als Reaktion wird die Diversifikation der Märkte vorangetrieben. 2017 exportierte Uruguay laut URUGUAY XXI Waren im Wert von 7,82 Mrd. USD. Im gleichen Zeitraum wurden Waren im Wert von 8,33 Mrd. USD importiert. Die wichtigsten Abnehmer- und Lieferländer sind China und Brasilien.

Deutschland war 2017 wichtigster Handelspartner Uruguays innerhalb der Europäischen Union - wenn man den Endverbleib der importierten Waren zu Grunde legt - und ist, deutlich nach China und Brasilien, eines der wichtigsten Abnehmerländer (3,1% der uruguayischen Exporte). Rindfleisch, Leder und Soja machen über die Hälfte der uruguayischen Exporte nach Deutschland aus, die 2017 laut Uruguay XXI ein Volumen von 275 Mio. USD besaßen. Uruguay hingegen führte aus Deutschland Waren im Wert von 250 Mio. USD ein (Maschinen, Automobile).

Umwelt

Ein verbesserter Klimaschutz, das Einsparen von Energie und die Förderung erneuerbarer Energien werden als zentrale Aufgaben anerkannt und mit dem Bau vieler Windkraftanlagen umgesetzt.

Uruguay versucht aktuell durch verbesserte Fütterungsmethoden auch die durch die extensive Viehzucht entstehenden hohen Methanemissionen zu reduzieren. Uruguay wird stark durch die Landwirtschaft geprägt. Bei einer eigenen Bevölkerung von 3,5 Mio. werden Nahrungsmittel für 30 Mio. Menschen produziert. In Uruguay werden laut dem uruguayischen Statistikinstitut etwa 12 Mio. Rinder gehalten. Uruguay hat im Jahr 2010 eine „klima-intelligente Agrar- und Viehzuchtpolitik“ aufgelegt; bis 2030 soll der Methanausstoß pro Kilo erzeugtem Fleisch um ein Drittel im Vergleich zu 1990 gesenkt werden.

Den erneuerbaren Energien wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der CO2-Ausstoß 2016 halbierte sich im Vergleich zu 2015 und lag bei 28 g/kWh. Im Jahr 2016 wurden bereits 97% der Stromerzeugung aus erneuerbaren Ressourcen gewonnen (Wasserkraft 56%, Windenergie 22%, Biomasse 18%, Solarenergie 1%). Vor allem der Ausbau der Windenergie machte beeindruckende Fortschritte. An der Primärenergieerzeugung hatten erneuerbare Energien im Jahr 2016 einen Anteil von ca. 60%. Biomasse ist mittlerweile der wichtigste Energieträger.

Problematisch bleiben die stellenweise Verunreinigung der Flüsse, offene Mülldeponien, die Bodenerosion und das Fehlen eines Abfallkreislaufes. Die zunehmende Ausbreitung agroindustrieller Monokulturen, vor allem Soja, Holz und Reis, wirft entsprechende ökologische Fragen auf.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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